auf den Spuren prähispanischer Kulturen

Nachdem ich eine gute Woche bei Mucka verbracht hatte, ging meine Reise weiter. Im Januar hatte ich an der bolivianisch-peruanischen Grenze Sandra kennengelernt. Sandra ist Mexikanerin, lebt aber in Schottland. Als wir in einem Gespräch feststellten, dass wir zur selben Zeit in México sein würden - sie zu Besuch bei ihrer Familie, ich reisend unterwegs - lud sie mich sofort ein, sie dort zu besuchen. Wir blieben in Kontakt und mein Ziel hiess deshalb am 28.02. Villahermosa im Staat Tabasco (ja, ich dachte auch immer, dass sei nur der Name einer scharfen Sosse...) - wo Sandra mich vom Busbahnhof abholte und ich daraufhin im Haus ihrer Familie königlich beherbergt wurde. Wieder ein tolles Erlebnis, wie offen und gastfreundlich Menschen sein können! (und das in Lateinamerika definitiv häufiger als in Deutschland...) Villahermosa ist nicht wirklich der Rede wert - die Stadt besticht nicht gerade mit Schönheit. Sehr interessant war aber der Besuch eines grossen Museumsparks, in dem Skulpturen auf dschungelartigem Gelände ausgestellt sind - Skulpturen, die von der ältesten zentralamerikanischen Kultur, den Olmeken, geschaffen wurden und zum grossen Teil noch erstaunlich gut erhalten sind. Sandra und ich beschlossen, übers Wochenende zusammen eine Tour nach Chiapas, dem südlichsten Staat Méxicos zu machen und uns dort vor allem alte Mayaruinen anzuschauen. Freitagmorgen fuhren wir aber zunächst zu wunderschönen Wasserfällen ("Agua azul") in der Nähe von Palenque. In Palenque übernachteten wir und machten uns am Samstag schon früh auf den Weg zur gleichnamigen archäologischen Stätte. Chiapas war zur klassischen Mayazeit stark von Mayas besiedelt, wobei Palenque das damalige Machtzentrum bildete. Demensprechend beeindruckend waren die Ruinen - besonders durch ihre Größe. Trotzdem war ich ein bisschen enttäuscht: man hatte mir von der beeindruckenden Harmonie der Ruinen direkt im Dschungel erzählt - stattdessen traf ich ein touristenüberlaufenes, parkähnlich angelegtes Gelände an, das mich an Disneyland denken ließ - fehlten nur noch ein paar als Maya verkleidete Statisten... Aber was ich in Palenque vermisste, fand ich in unserem nächsten Reiseziel: Yaxchilán! Diese Ruinen liegen am Grenzfluss zu Guatemala und sind nicht ganz einfach zugänglich. Zunächst fuhren wir in einem VW-Bus stundenlang durch die schöne tropische Landschaft des ländlichen Chiapas - die Fahrt wurde erschwert durch die unzähligen "topes" - plötzlich (da beinahe immer unangekündigt) auftauchende Erhebungen in der Straße, die von der indigenen Bevölkerung willkürlich überall dort über Nacht errichtet werden, wo sie denken, dass langsamer gefahren werden sollte. Auffällig auch Schilder, die manche Ortseingänge zieren: "Zapatisten-Gebiet" o.ä. Ein Konflikt, der noch nicht lange her ist bzw. immer noch schwelt. Sonntag gingen wir sehr früh zum Grenzfluss hinunter und legten wenig später mit einer Gruppe deutscher Studenten in einem Holzkahn ab - Yaxchilán ist nur über Wasser zu erreichen. Etwa 40 Minuten dauerte die Fahrt, bevor wir die wirklich beeindruckenden Ruinen erreichten - beeindruckend nicht durch ihre Größe, aber durch das Gefühl das sie vermitteln, noch weitgehend unberührt zu sein: teilweise von Bäumen überwachsen, unüberhörbar das nicht abreißende Geschrei der Brüllaffen aus dem Dschungel, der neben und über einem in riesigen Dimensionen wächst. Zu einem Gebäudekomplex legten wir einen ca. halbstündigen Marsch auf einem schmalen Urwaldweg zurück und dabei konnten wir die Affen sogar in den Baumwipfeln neben uns von Ast zu Ast schwingen sehen! Yaxchilán begeisterte mich wirklich sehr! Am Abend kehrten Sandra und ich nach Villahermosa zurück und ich packte ein weiteres Mal meinen Rucksack, um am nächsten Morgen die Reise fortzusetzen - zum ersten Mal wirklich alleine unterwegs.

26.3.08 05:31

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