über Peru nach México

Am 15. Februar brach ich also in La Paz Richtung Lima auf. Vor mir lagen 30 Stunden Busfahrt (angekündigt waren 26, aber auf Zeitangaben ist hier keinerlei Verlass, das ist ja schon bekannt...), während denen ich aber glücklicherweise eine vertraute Person an meiner Seite hatte: Marta (die Mutter von Ronald, einem Freund aus Passau) fuhr zu ihrer Familie nach Lima und ich hatte ihr ein Ticket für den Platz neben mir besorgt - wer schon mal so eine lange Strecke im Bus gefahren ist, weiss, dass es Gold wert ist, nicht neben einer wildfremden Person zu sitzen...

In Lima konnte ich bei der Familie eines Hospitalityclub-Mitglieds wohnen - alle ausgesprochen nett und gastfreundlich (eingeschlossen die 99-jährige Urgrossmutter)! Joel und sein Cousin zeigten mir und einem ecuadorianisch-neuseeländischem Pärchen, mit dem ich das Zimmer teilte, weite Teile der historischen Innenstadt. Lima zeigte sich mir von einer netten und interessanten Seite, zwei Tage waren aber natürlich nicht viel Zeit, um die Stadt gut kennenzulernen. Mir gefiel es, in einer eher einfachen Familie und dadurch in einem Stadtteil zu wohnen, den Touris normalerweise nicht zu Gesicht bekommen - so offenbarte sich Lima mir von einer sehr peruanischen Seite.

Am 19. Februar flog ich nachts gen Mexico City. Den Hinweis, man solle schon drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein, hielt ich arroganterweise für übertrieben - und verpasste daraufhin fast meinen Flug... Erst eine halbe Ewigkeit nach dem "last call" erreicht ich ausser Atem in letzter Sekunde das Flugzeug - erleichtert wie selten in meinem Leben...

Im Morgengrauen erreichten wir México - zum ersten Mal in diesem Land und zum allerersten Mal in einer so riesigen Stadt! Ich flüchtete aber zunächst vor den 20 Millionen Einwohnern und fuhr direkt nach Cholula, einem Vorort von Puebla, in dem Mucka (gute Freundin von mir aus Wildeshausen) im Moment wohnt.
Insgesamt verbrachte ich eine Woche bei Mucka. Es war sehr wichtig für mich, bei ihr so "stranden" zu können - nach dem schweren Abschied von La Paz brauchte ich viel Zeit, um ganz langsam in México anzukommen und den Wechsel in diese andere Welt zu begreifen. Dabei tat es mir sehr gut, bei einer lieben und vertrauten Freundin zu sein. Ausserdem hatten wir uns seit neun Monaten nicht gesehen und es gab viel zu erzählen...

Cholula bescherte mir als erste Station in México und nach dem unmittelbaren Wechsel dorthin nach Bolivien/Peru (die zwei Länder sind sich schon sehr ähnlich) fast einen Kulturschock. Dazu muss erklärt werden, dass Mucka direkt hinter einer der teuersten Privatuniversitäten Méxicos wohnt und dort natürlich dementsprechend die Töchter und Söhne Méxicos reichster Familien wohnen und studieren - das gab auf der Partymeile in unmittelbarer Nähe ein Bild ab, das mir nach dem langen Aufenthalt in Bolivien das Gefühl gab, in einem amerikanischen College-Film gelandet zu sein.

Aber ich verbrachte sehr schöne Abende mit Mucka, lernte ein paar sehr nette Freunde von ihr kennen, konnte ihren Geburtstag mit ihr feiern, mir die in Cholula situierte, vom Umfang her grösste Pyramide der Welt anschauen, im hübschen historischen Zentrum des kleinen Ortes die Seele baumeln lassen - und mir gleich ein mexikanisches Stereotyp bestätigen lassen: hier wird alles, aber wirklich ALLES mit Chilli gegessen! Auf den Strassen gibt es an fahrbaren Ständen Mango mit Chilli, Limette und Salz und überall bekommt man Lutscher mit Geschmäckern wie Kirsche und Chilli, Wassermelone und Chilli, an denen ich mir den Mund verbrannte... Kurz und gut: die spinnen, die Mexikaner!

25.3.08 00:16

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