viel Wüste in Bolivien, Chile und Peru

Auf der Fahrt von Potosí nach Uyuni bekamen wir an der eigenen Haut – aber in noch erträglichem Ausmass – zu spüren, worunter seit ein paar Wochen ganz Bolivien leidet: das Naturphänomen „La niña“, ein – dem bekannteren „El niño“ ähnlich – alle paar Jahre auftretendes Wetterextrem, das gerade dafür sorgt, dass Bolivien in nicht endenwollenden Regengüssen versinkt – viele Regionen befinden sich im Ausnahmezustand. In La Paz ist in fast der ganzen Stadt das Wassersystem zusammengebrochen (mit Ausnahme von dem Viertel, in dem ich wohne...), Hunderttausende müssen tagelang ohne fliessendes Wasser auskommen. Noch schlimmer ist es in den tropischen Gebieten, dort stehen ganze Dörfer und Stadtteile komplett unter Wasser, aber auch in Vierteln von La Paz reissen Flüsse urplötzlich Brücken weg und Menschen mit in den Tod. Insgesamt wurden im Januar aufgrund des extremen Wetters schon über 50 Tote im Land registriert, in den am schwersten betroffenen Gebieten breiten sich Denguefieber und Malaria aus. Ich nehme an, deutsche Medien berichten darüber nicht...
 
 
Aber zurück zu unserem diesbezüglichen Erlebnis auf der Reise.
Die Fahrt führte uns auf einer Schotterpiste mal wieder völlig durch die Wallachei, diesmal durch verlassene, weite Landschaften – auf einmal Wasser links und rechts vom Bus und nichts ging mehr, weil der Fluss sich ums vermutlich dreifache seiner normalen Breite ausgedehnt hatte und die „Strasse“ vollständig überspülte. Das andere Ende der Strasse war jenseits des Wassers dadurch erkenntlich, dass dort ein Lkw stand, der ebenfalls darauf wartete, dass der Pegel wieder sinken würde. Das dann doch erstaunlich schnell – nach etwa einer Stunde konnten wir beobachten, wie eine Herde Lamas todesmutig zum anderen Ufer watete. Daraufhin beschloss unser Fahrer, es auch mit dem Bus zu wagen – allerdings ohne uns: wir durften es den Lamas gleich tun und ab durchs eiskalte braune Nass...
Eine halbe Stunde lang ging alles gut, dann stand der Bus wieder. Diesmal war es angebrachter von reissenden Fluten zu sprechen. Wir warteten geschlagene zwei Stunden, bis wir den Fluss endlich überqueren konnten und kamen schliesslich zu später Stunde (wider Erwarten) doch noch am selben Tag in Uyuni an.
 
 
Von dort brachen wir am nächsten Morgen in einem Jeep zu einer dreitägigen Tour auf, deren Anfang der „Salar de Uyuni“ (die grösste Salzwüste der Welt) sein sollte, dann durch den einsamen Südwesten des Landes führte und schliesslich in Chile ihr Ende fand. Mit von der Partie waren Simons Mitbewohnerinnen aus Arequipa (Peru), wo er ein Semester studiert hatte und deren Freundinnen – insgesamt 7 Touris plus Fahrer/Guide und Koch.
 
Der erste Tag begann mit dem grössten Highlight: dem „Salar“ – die Salzwüste ist jetzt im „Sommer“ (gleichzusetzen mit Regenzeit) mit 2-3 cm Wasser bedeckt. In Verbindung mit der sich darunter befindenden schneeweissen Salzschicht führt das zu einem irren Spiegeleffekt, durch den es schwerfällt, Himmel von Salz zu unterscheiden und irgendwie hat man das Gefühl, in den Wolken zu stehen – eine mit nichts vergleichbare, irre Erfahrung! Wir waren schwer begeistert. Durch die Fotos kann man hoffentlich einen kleinen Eindruck bekommen!
 
Nachmittags besuchten wir noch Boliviens Eisenbahnfriedhof. Da werden vor Uyuni einfach alle ausrangierten Eisenbahnen abgestellt, um in der Weite des Altiplanos (Boliviens Hochebene) würdevoll zu verrosten. Ein beeindruckendes Bild.
 
Ein paar Stunden später trudelten wir in einem gottverlassenen Ort (gefühlt: am Ende der Welt) ein, in dem wir in einer simplen Unterkunft übernachteten. Es war ganz nett, dass man abends immer wieder dieselben Leute traf, die in irgendeinem der etwa 15 anderen Jeeps dieselbe Tour machten. Da in Brasilien fast alle Leute zwischen Weihnachten und Karneval Urlaub haben, waren auch einige Brasis dabei und ich konnte mal wieder mein Portugiesisch auffrischen und neue Brasil-kontakte knüpfen :-)
Ein paar Iren trieben in dem einzigen auffindbaren Geschäft sofort Unmengen billigen Rums auf. Der Laden nannte sich „Apotheke“. Auch lustig. Für die Iren war der Abend damit jedenfalls gerettet :-)
 
 
Am nächsten Morgen früh los: auf Sand- und Schotterpisten (teilweise noch alte Wege der Inka) durch die Steinwüste, die Boliviens Südwesten prägt. Beeindruckende Landschaft, ab und zu ein paar wildlebende „vicuñas“ (lama-ähnliche Tiere), immer wieder ausgefallen schöne Berge, die aus der Ebene emporragen, sonst nichts – diese  Leere hat mich sehr berührt. Wahnsinn, wenn man vorher noch nie in irgendeiner Wüste war! Besonders toll waren ein paar Lagunen, die plötzlich im Nichts auftauchten und bevölkert wurden von rosafarbenen Flamingoscharen, sowie irre Steinformationen, von denen der „Baum aus Stein“ besonders eindrucksvoll war (s. Fotos). Laut unserem Guide sehen die Steine noch damals von der Sinftflut, als nur die Arche Noah davonkam, so rundgewaschen aus...
 
 
Der Ort, an dem wir dieses Mal übernachteten, kam dem Ende der Welt noch ein bisschen näher. Auf über 4.000 Metern freuten wir uns über den aus einer Blechtonne selbstgebastelten Ofen in der Herberge, der die nächtliche Kälte etwas linderte.
 
 
Am dritten und letzten Tag stiegen wir um 4 Uhr morgens (!) noch im Dunkeln in den Jeep. Das frühe Aufstehen wurde reichlich belohnt, als sich uns bei Temperaturen um den Nullpunkt auf knapp 4.900 Metern der Blick auf kochende Schlammlöcher freigab, die sich zunächst durch weiss aufsteigenden Dampf vorm rot gefärbten Himmel ankündigten.
Und es sollte noch besser kommen: Nach einer weiteren Stunde Fahrt gelangten wir kurz nach Sonnenaufgang zu heissen Thermen – wir legten also Winterjacken und Alpaca-mützen ab, rein in Bikini und Badehose und aalten uns ausgiebig im Wasser mit Badewannentemperatur, dazu der Blick auf einen spiegelglatten See und eine Handvoll Flamingos...
 
 
Irgendwann gelangten wir mitten im Nichts zur bolivianisch-chilenischen Grenze. Simons und mein Ziel war, so schnell wie möglich nach Arequipa in Peru zu kommen.  Wir bissen im teuren Chile (Bolivien ist das billigste Land Lateinamerikas, daran kann man sich schnell gewöhnen...) also in den sauren Apfel und kauften teure Tickets für eine Direktfahrt zur peruanischen Grenze im Norden Chiles.
Die Fahrt führte zum grossen Teil durch die „Atacama“, die trockenste Wüste der Welt (echt, trockener als die Sahara!) – mehr als eintönig, aber aus eben diesem Grund auch wieder eindrücklich.
 
 
Am 17.01. kamen wir in Arequipa an – da ich am 21.01. wieder in La Paz sein wollte, blieben mir also vier Tage, um „Simons“ Stadt kennenzulernen. Leider konnte ich die Zeit teilweise gar nicht geniessen, da mich üble Magenprobleme vorübergehend vollkommen ausser Gefecht setzten... Trotzdem war es schön, die Stadt (geprägt von weissen Kolonialbauten und niedlichen Strässchen) und Simons Freunde dort zumindest ein bisschen kennenzulernen.
Ausserdem mal wieder ein kurioses Zusammentreffen in Uebersee: Christine, mit der ich in Wildeshausen jahrelang in einer Klasse war, macht gerade einen Freiwilligendienst in Arequipa – und wieder mal feststellen, wie klein die Welt sein kann...
 
 
Nach Abschied von Simon und nochmal 14 Stunden Busfahrt kam ich am 21.01. wieder zurück in mein geliebtes La Paz – nach den vielen Eindrücken der vergangenen 2 ½ Wochen glücklich wieder in gewohntem Umfeld zu sein, mich Zuhause zu fühlen und noch am selben Abend wieder mit meinen Leuten in unserer Montagabends-Salsa-Bar tanzen zu gehen...
 
 
 

29.1.08 19:02

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Valeria (1.3.08 16:35)
Hey Fräulein Schreibfaul! ;-) Lässt du zwischen den ganzen Slasa-Nächten, spannende Reisen, Strandbesuche, Sonne tanken, Spanisch quatschen,...auch mal wieder was von dir hören??
Schick mal Sonne rüber! ...Ich glaube, heute Nacht kommt der "Emma"-Sturm zu uns...:s
Drück dich! Buziaki Valeria

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