Weihnachten, Silvester und viel Stress

Weihnachten, navidad... Wochen vor dem grossen Fest: In allen Farben wild blinkende Lichterketten erhellen die Stadt, jede in ihrem eigenen Rhythmus, manche spielen dazu eine nervtötende Melodie, die nie abreisst.... Zwei Tage vor Weihnachten: der Weihnachtsmarkt (auf den ersten Blick als solcher nicht erkennbar, blaue und schwarze Plastikplanen nehmen jede Sicht auf die angebotene Ware) dehnt sich auf verschiedene Strassen aus, die abgesperrt wurden, um den Paceños (Bewohner von La Paz) die letzten Weihnachtseinkäufe in aller Ausführlichkeit zu ermöglichen.

Ich verfolge dasselbe Ziel, nehme von dem Trubel aber nur flüchtig Kenntnis, dann zieht es mich wieder ----- richtig, an den Schreibtisch..... Dem kaputtgegangenen Laptop war zwar nicht mehr zu helfen, aber die gtz hat mir fürsorglich gleich einen als Ersatz zur Verfügung gestellt, sodass ich weiterhin in meinem Zimmer arbeiten konnte (das Büro war geschlossen). Das war mir sehr lieb, da sich dort zum einen die nötigen Berge von Papier in einem nur mir geordnet erscheinenden Chaos stapelten und, zum anderen, der Blick über La Paz auch die dunkelsten Momente der Inspirationslosigkeit erhellen sollte.

Während der letzten Wochen des alten und der ersten Tage des neuen Jahres wich ich tatsächlich kaum von meinem Schreibtisch. Zwischen guten Schreibphasen und Verzweifelten Das-schaff-ich-nie-Anwandlungen waren mir das tägliche Mittagessen Zuhause mit Adela und Lore, sowie diverse Besuche in einem Café an der Plaza, um Koffeein zu tanken, angenehme Zerstreuungen. Die Bedienung ging dazu über, sobald ich eintrat, nur noch zu fragen: "Dasselbe wie immer?" Joa, Cappuccino mit doppeltem Espresso weckt den müden Geist

ABER DANN kam tatsächlich Heiligabend! Von dem angedachten Besuch eines evangelischen Gottesdienst auf deutsch hatte ich schliesslich doch Abstand genommen und erlebte dafür einfach die weihnachtlichen Rituale meiner kleinen bolivianischen familia.

 

Ab acht Uhr abends begannen die Vorbereitungen in der Küche, gegen 22.30h begab man sich dann langsam in die Dusche, um sich hinterher richtig schick zu machen. Adela, Lore und ich setzten uns halbwegs aufgetakelt ins Wohnzimmer ans wild blinkende Plastikbäumchen, das überraschend geschmackvoll geschmückt schon seit ein paar Wochen in seiner Ecke stand. Stilvoll wartend mit chilenischem Rotwein im Glas, zählten wir den Countdown im Radio mit, der uns tatsächlich auf die Sekunde genau auf die Geburt Christi um 24h anstiessen liess. Wenige Minuten später kamen Gustavo, Adelas Sohn, mit seiner Familie zu uns rauf (sie wohnen im selben Hochhaus), um uns alles Gute zu wünschen und die Geschenke zu verteilen. Das verlief dann weniger besinnlich - zu Merengue-rhythmen aus dem weiterlaufenden Radio wurden die Geschenke möglichst alle gleichzeitig aufgerissen. Dann Verabschiedung - und zu dritt endlich das grosse Fressen! Vielfältig und köstlich! Es war ein schöner Abend und ich musste Weihnachten in Deutschland dann doch gar nicht so sehr vermissen, wie ich befürchtet hatte...

 

Am 29.12. kam Simon in La Paz an! Zum Glück brachte er gleich noch ein paar Freunde aus Arequipa mit, sodass sie sich zusammen die Stadt angucken konnten, während ich mich weiter dem Schreiben widmete. Eigentlich wollte ich spätestens zu seinem Geburtstag am 31.12. fertig sein - es sollte der 04.01. werden..

 

Aber egal, Simons Geburtstag wurde trotzdem gebührend gefeiert! Morgens mit einem üppigen Überraschungsfrühstück bei uns Zuhause (die deutsche Bäckerei um die Ecke tat das Ihrige dazu) und abends mit einer grossen Party im "Mongos", einer netten Bar ganz in meiner Nähe. Wir trafen (fast) alle in Bolivien notwendigen Vorkehrungen, um im neuen Jahr mit ganz viel Glück, Liebe, Geld und all den anderen schönen Dinge beschert zu werden: trugen den ganzen Abend schicke rote Unterwäsche (auch die Jungs!), steckten uns reichlich Geldscheine in die Schuhe, die nach dem zwölften Glockenschlag rausgeholt und gezählt wurden, ach ja, zwischen dem ersten und dem zwölften Schlag stopften wir uns zwölf Weintrauben in den Mund, verbunden mit zwölf Wünschen fürs neue Jahr - gar nicht so leicht, das alles so schnell auf die Reihe zu kriegen! Eigentlich hätten wir noch jeder einen Koffer mitnehmen müssen, um ihn um zwölf um die nächste Ecke zu tragen - um im neuen Jahr viel zu reisen und eine Treppe hochrennen, damit im neuen Jahr alles nur bergauf geht.... Verrückte, schöne, traditionsreiche Welt!

 

In diesem Sinne euch allen noch ein frohes neues Jahr!!!!!!!

10.1.08 15:14

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