Fruehling in der Provinz, Abenteuer Reise und aufregend Neues

Bei Nora in Santiago del Estero war es sehr schoen! Ich bin sehr froh, diesen Zwischenstop noch gemacht zu haben, nachdem ich kurz ueberlegt hatte, von Buenos Aires nach La Paz durchzufahren - so konnte ich noch ein ganz anderes Argentinien kennenlernen als das der Hauptstadt. Mit dem Bus lange Abschnitte durch menschenleere Pampa, dann in Santiago del Estero Gemaechlichkeit: dort wird die siesta noch in Ehren gehalten (zwischen 13 und 17 Uhr bleiben die Laeden geschlossen, nur wenige verirren sich auf die Strasse), Pferdekutschen auf der Strasse sind keine Seltenheit und die Armut wohnt gleich nebenan, nicht wie in Buenos Aires weitab vom Stadtzentrum. Nora hat mir viel von der Stadt gezeigt und mich noch ueber einige argentinische Eigenheiten aufgeklaert. Wenn man es sich mit einem Argentinier nicht verderben will, sollte man ihn besser nicht mit kritischem Unterton auf Evita Perón oder den verlorenen Krieg um die Malvinas (Falklandinseln) ansprechen... Und in den Koepfen der Argentinier teilt sich ihr Land in Buenos Aires und den Rest des Landes auf. In Santiago ist Tango verpoent, Folklore ist alles. Mit Nora war ich bei einem Folklore-Tanzkurs, das war sehr interessant!

Sehr frueh am Mittwochmorgen hab ich meine Reise fortgesetzt. Zunaechst mit dem Bus nach La Quiaca, einer Grenzstadt, dort wollte ich ueber die Grenze und in Villazon, der sich nahtlos anschliessenden bolivianischen Stadt einen Zug nehmen - da der nur einmal am Tag faehrt, hab ich mir nicht allzu grosse Hoffnungen gemacht. Die letzten Stunden bis La Quiaca waren wahnsinnig schoen - sehr abwechslungsreiche Landschaft, mal schroff zerklueftete rote Felsen, mal mit gelb verblichenem Gras bewachsene endlose Berglandschaft, dann Felsen, deren Farben zwischen tuerkis und feuerrot variierten, hab mich ein bisschen an Island erinnert gefuehlt... Und viele ausgetrocknete Flusslaeufe, zunehmend loesten Lamas und Alpacas die Rinderherden ab.

Ab Oruro hatte ich dann mit der Hoehe und der duennen Luft zu kaempfen: drueckende Kopfschmerzen, trockene Lippen, Nase und Haut im Allgemeinen, Unwohlfuehlen. Der Bolivianer an sich empfiehlt Kokatee, hat auch schon geholfen :-)

Wie ein Wunder hatte der Bus nur leichte Verspaetung, sodass ich problemlos den Zug nach Oruro (Bolivien) gekriegt habe. An der Grenze hab ich Alex und Daniel, ein Deutscher und ein Bolivianer, kennengelernt, wir sind dann zusammen weitergereist, was sehr nett war und die lange Zugfahrt sehr viel kurzweiliger gemacht hat! 16 Stunden sassen wir in dem Bummelzug, mir hat die Reise sehr gut gefallen - angenehmer als so lange im Bus zu sitzen und schoener vom Ausblick her. Besonders schoen war es, als nachts die Lichter im Zug ausgeschaltet wurden, sodass ich bei hellstem Mondschein hinaus in Berge und zunehmend wuestenaehnlichere Landschaft schauen konnte, bis der Zug mich in den Schlaf schaukelte...

Morgens umsteigen in Oruro, wir haben einen Bus gekriegt, der sofort nach La Paz losfuhr. Fahrt durch absolute Einoede - Altiplano, Boliviens Hochebene im Nordwesten. Immer mal wieder Lehmhaeuser und Indigene in ihren traditionellen Trachten, Alpaca-Herden, ab und zu eine kleine Ortschaft - alles extrem spartanisch, die wenigsten Haeuser sind aus richtigen Ziegelsteinen gebaut, geschweigedenn verputzt. Die kalten Naechte spuert man sicherlich, als wenn keine Wand vorhanden waere...

Nach knapp drei Stunden fuhr der Bus in El Alto ein, eine Stadt, die fast nahtlos in La Paz uebergeht. Wie der Name schon sagt, liegt sie hoeher als La Paz, man faehrt dann noch ca 350 m tiefer und hat dabei einen Wahnsinnsblick auf die ganze Stadt! La Paz liegt in einem Tal, zieht sich aber auf allen Seiten die Berge hinauf.

Und hier wohne ich jetzt! Netterweise wurde ich von Adela abeholt, eine Bolivianerin Ende 40, bei der ich ein Zimmer gemietet habe. Wir wohnen dort zu viert: Adela, Lorena (ihre 29-Jaehrige Tochter) und Alejandra, auch eine Bolivianerin, die in La Paz arbeitet. Adela hab ich noch nicht kennegelernt, aber die anderen beiden sind schon mal super nett! Die Wohnung liegt in Sopocachi, einem Viertel im Zentrum, in dem auch die meisten Bars und Discos sind, nur wenige Bloecke von der gtz enfernt, also optimal gelegen! Ausserdem im 18. Stock, mein Zimmer ist ausreichend gross, davor eine Fensterfront und ein Balkon mit unglaublichem Blick ueber weite Teile der Stadt - es ist Wahnsinn, mit soviel Komfort haette ich fuer die geringe Miete nicht gerechnet...

Bin heute schon ein bisschen durchs Zentrum gelaufen und hab das Gefuehl, dass ich mich hier wohlfuehlen kann!

Jetzt muss ich schnell los, treff mich mit Alex und Daniel, um das Nachtleben unsicher zu machen!

Bald mehr von mir aus diesem faszinierenden Land!

28.9.07 03:58

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Susonne (28.9.07 21:43)
Man Huni, wenn ich das lese packt mich das Reisefieber! Ich wünsch Dir einen wunderschönen Start in La Paz!!!
Besito (da guck mal, ich kann wohl noch spanisch ), Susanne

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