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Rio Rio Rio.... und Juiz de Fora

Acht Tage sind erst vergangen seitdem ich in Brasil angekommen bin und es kommt mir vor, als sei ich schon seit Wochen wieder hier...

Mittwoch bin ich also angekommen, von dem ueberwaeltigenden Blick vom Balkon von Leos Tante, wo ich in Ipanema gewohnt habe, hatte ich ja schon geschrieben - es gibt jetzt auch Fotos dazu auf meiner Fotoseite! Kommt natuerlich immer nicht ganz so rueber wie in echt, aber vielleicht habt ihr einen Eindruck. Am Mittwoche selbst hab ich ausser durch Ipanema zu gondeln, nicht viel gemacht, hab es einfach genossen, wieder in Brasil zu sein und alles auf mich wirken lassen.

Donnerstag bin ich dann schon nach Juiz de Fora gefahren, um Daiane und Susanne dort zu besuchen. Daiane hat ein Jahr in Passau studiert, wo wir uns kennengelernt haben und Susanne studiert in Passau dasselbe wie ich, macht in Juiz de Fora gerade ihre Auslandssemester an der Partneruni. Die Fahrt nach Juiz de Fora war zunaechst schockierend, dann ausserordentlich schoen. Schockiend beim Rausfahren aus Rio - Favelas soweit das Auge reicht. Das hat mich in der geballten Form ganz schoen umgehauen. Schoen, sobald der Bus Rio hinter sich gelassen hatte und wir in die Berge hineinfuhren. Juiz de Fora liegt relativ hoch und die Strasse dorthin fuehrt durch eine wahnsinnig schoene Landschaft, deren Huegel dicht mit "mata atlântica", einem fuer die suedoestliche Kuestenregion Brasiliens typischen Urwald bedeckt sind. Ueppiges Gruen, durchwachsen mit knallroten-, -gelben und -pinken Blueten. In Juiz de Fora bin ich zwei Tage geblieben - beherbergt in Daianes Familie, die in einer bunten Mischung zu neunt in einem labyrinthartig verschachtelten Gebaeudekomplex wohnen. Dort bin ich sehr herzlich unter anderem von ihren Grosseltern aufgenommen worden, wirklich liebe Menschen! Daiane hat mir viel von der Stadt gezeigt, mit ihr und Susanne war ich auch auf dem Campus. Der ist, wie viele Campusse (?) in Brasilien irre gross, die verschiedenen Gebauede liegen so weit auseinander, dass man sie groesstenteils nur mit Bussen erreichen kann. Grund ist, dass man waehrend der Militaerdiktatur vermeiden wollte, dass die Studenten der verschiedenen Fakultaeten sich konspirativ zusammenrotten. Brrrrrrrrr, richtig gefroren habe ich in Juiz de Fora! Fuer mich eine ganz neue Erfahrung, in Brasilien zu frieren.... Aber der Winter ist hier eben noch nicht ganz vorbei und Juiz de Fora liegt deutlich hoeher als Rio, wo es ja auch schon nicht so knackewarm war. Freitagabend hat Daiane uns zum Geburtstagsfest ihrer kleinen Cousine mitgenommen, die 4 Jahre alt geworden ist. Was Kindergeburtstag auf brasilianisch bedeutet, seht ihr auf den Fotos..... Auf einem so uebertriebenen wie diesem war ich aber wirklich noch nie. Diese Geburtstagsfeste sind oft mehr soziale Events, als wirklich auf die Kinder ausgerichtet. Man zeigt, was man sich leisten kann - in diesem Fall eine Raeumlichkeit, die nur fuer Kindergeburtstagsfeste vermietet wird, das Motto kann man sich aussuchen, entsprechend wird dann dekoriert und Geschenke fuer die Gaeste (!) zum nach hause mitnehmen besorgt - alles von der Agentur, die auch den Raum vermietet. Das Motto war "Rotkaeppchen" - seht selbst in den Fotos!

Am Samstag bin ich morgens zurueck nach Rio gefahren und hatte Glueck - ein richtiger Sommertag, Sonne und die Praia de Ipanema (Strand von Ipanema) voll mit schoenen Brasilianern - Sehen und Gesehenwerden. Leo und ich waren nicht lange am Strand, denn am spaeten Nachmittag sind wir zu einem Fussballspiel im Maracanã, einem der groessten Fussballstadien (oder sogar dem groessten?) der Welt gefahren! Es war super, die Stimmung ist mit einem Fussballspiel in Deutschland nicht zu vergleichen, emotionsgeladen ohne Ende! Sonntag hat Leo mir noch ein paar Ecken von Rio gezeigt, die ich bisher nicht kannte - unter anderem waren wir auch im Nationalen Historischen Museum, sehr interessant. Ich wollte immer schon mal in Brasilien ins Theater gehen - den Wunsch hab ich mir Sonntagabend erfuellt, wir sind in ein kleines Theater in Ipanema selbst gegangen, es war unglaublich witzig! Auch hier geht das Publikum ganz anders mit als in Deutschland.

Den Montag habe ich unter anderem noch dazu genutzt, den Sitz der Heinrich-Boell-Stiftung in Rio und ein soziologisch-politikwissenschaftliches Forschungsinstitut kennenzulernen, mit dem ich durch einen der Referenten der PLA in Kontakt gekommen bin. War ganz interessant, vielleicht kann sich daraus irgendwann was fuer mich in Richtung Diplomarbeit ergeben --- aber das ist ein anderes Thema und zum Glueck noch weit weg!

Gestern bin ich wieder ins Flugzeug gestiegen - und mittags schon in Natal gelandet! Auch Brasil, aber eine ganz andere Welt.... Wieder Hitze, Natal kommt mir nach Rio auf einmal ganz klein vor - ist es irgenwie auch, nicht nur wegen der 9 Millionen weniger Einwohner, auch wegen der Struktur der Stadt: Sobald man von den Hauptstrassen abkommt, findet man sich zum Teil in Vierteln, die nur wenige asphaltierte Strassen haben. Insofern entscheidet sich Natal trotz einer Million Einwohner in manchen Aspekten kaum von Assú mit seinen knapp 50.000 Einwohnern.

Ich geniesse es, wieder bei meiner família zu sein - Samilly, meine kleine Nichte, Tochter der Aeltesten meiner drei Gastschwestern, ist jetzt zwei Jahre alt, wahnsinnig gewachsen, immer in Action und total suess! Aber ich merke auch schon, dass mir eine knappe Woche hier reichen wird. Meine Gasteltern sind schon echt anstrengend, mir wird immer wieder bewusst, dass ich sie auf Dauer nur schwer aushalten kann. Dennoch Familiengefuehle, die da hochkommen. Wir sind schon sehr verbunden miteinander, durch das Jahr, das wir zusammen gelebt haben. Besonders zu meinen Gastschwestern hab ich eine feste Bindung, schoen, das wieder so zu spueren!

Fuer morgen hab ich mich mit Sols Mama verabredet. Wir haben uns immer sehr gut verstanden und freuen uns schon beide. Und am Wochenende geht es mit einem Grossteil meiner brasilianischen Familiensippe in ein Haus am Strand, in der Naehe von Natal, uauuuuu! Wir werden ungefaehr 12 Leute sein, das wird sicher nett.

Ach, es ist schoen in Brasil!

 

1 Kommentar 6.9.07 02:21, kommentieren

Sommer, Sonne, Strand

Freitag war Tag der Unabhaengigkeit Brasiliens (seit 1822) und somit langes Wochenende - wie geeignet fuer ein Strandhaus! Zu zehnt waren wir zu Anfang, wurden aber immer mehr Leute, heute waren wir fast zwanzig. Platz gibt es in solchen Hausern mehr als genug, weil ueberall in den Waenden Vorrichtungen fuer Haengematten eingearbeitet sind.

Das Wochenende war an sich nichts Besonderes, aber halt typisch brasilianisch irgendwie. Es passiert nichts grossartig, aber man ist eben mit der ganzen Familie zusammen: den ganzen Tag im Bikini rumlaufen, abwechselnd im Meer und im nahegelegenen See baden, sich den ganzen Tag vollfressen, draussen in der Haengematte rumgammeln, Geschirrberge abwaschen (selbstverstaendlich reine Frauensache), abends ein bisschen Forró und Axé tanzen, Domino und Karten spielen, ueber Leute laestern... Ich hatte mich schon gefreut, dass mal kein Fernseher in der Naehe war, der wurde dann aber am Samstag mit einer weiteren Ladung Leute nachgeliefert......... Trotzdem hatte ich ein paar sehr gute Gespraeche mit Laíse, meiner mittleren Schwester, das war schoen.

Ansonsten bleibt mir weiterhin zweifelhaft, wie ich es ein ganzes Jahr mit meinen Gasteltern ausgehalten habe. Uranstrengend. Wenn mein Gastvater frei hat, faengt er an, zu trinken, dann wird es noch anstrengender. Trotzdem ist es suess, wie sehr sie aus ganzem herzen betonen und mir zeigen, dass ich fester bestandteil der familie bin. Nur gut, dass nicht immer so nah, sonst wuerde das nicht alles so reibungslos verlaufen....

Morgen fahre ich nach Açú, der kleinen Stadt im Landesinneren, in der ich mein Austauschjahr verbracht habe - freu mich schon und bin ein bisschen aufgeregt, wie jedes Mal

1 Kommentar 10.9.07 05:02, kommentieren

Szenenwechsel

Ein bisschen Brasil war da ja noch, viel Brasil eigentlich, zumindest kommt es mir so vor... zumindest intensiv, das sagt mir die Sehnsucht, die ich doch schon wieder nach diesem Land verspüre ----------------- einmal Brasilien, immer Brasilien, nich wahr, Vicky?!

Assú war wieder schön, schön nostalgisch - allerdings verringert sich mit jedem Besuch die Anzahl der Freunde, die noch da wohnen, sind mittlerweile schon weniger als eine Handvoll... Dennoch gab mir Assú wieder ein beruhigendes Zuhausegefühl, gerade nach Rio und Natal so ruhig, beschaulich und vertraut. Hab vor allem Zeit mit Freunden verbracht, auch wieder meine alte Schule besucht, die kleinen Veränderungen bestaunt und daran merkt, wieviel Zeit schon seit meinem Austauschjahr vergangen ist, zum Beispiel gemessen daran, wie sehr mein geliebter Mangobaum im Schulhof seither gewachsen ist. Andere Sachen scheinen sich in Assú nie zu ändern - drückende Hitze und ein prekäres Abwassersystem etwa und ich hatte fast schon vergessen, wieviel Aufsehen man als Ausländerin in dieser Kleinstadt erregt! Ganz nett war, dass ein paar Leute, mit denen ich auf die Distanz gar nichts mehr zu tun hab, mich und ich sie noch wiedererkannt haben, da gabs ein paar ganz nette Begegnungen. Zum Beispiel mit Leila, DER Friseurin, die sich sehr geehrt fühlte, dass ich ganz aus Deutschland zum Haareschneiden extra wieder zu ihr gekommen bin :-)

Einen Tag habe ich bei Ozenir in Mossoró verbracht. Ozenir ist eine der wenigen Freunde, mit denen ich immer noch Kontakt halte. Sie hat vor wenigen Monaten geheiratet und wohnt seither in Mossoró, einer etwas größeren Stadt 70km von Assú entfernt. Sie und ihr Mann wohnen derzeit noch im Haus der Schwiegereltern. Die Grundmauern des Eigenheims sind zwar schon im hinteren Teil des SchwiegerelternGrundstücks gesetzt, aber da beide momentan arbeitslos sind, wirds vorerst auch bei diesen kleinen Anfängen bleiben. Es tut mir sehr leid für die beiden, dass sich der Hausbau so scheinbar unbegrenzt in die Länge zieht, da die Atmosphäre bei den Schwiegereltern nicht so toll ist.... Aber was soll man machen, Arbeit ist in Brasilien ein rares Gut, zumal wenn man nicht so die tollste Ausbildung genießen konnte.

Zum Abschluss hab ich noch einen Tag in Natal verbracht, das war noch ein ganz angenehmes und intensives Abschiednehmen von meiner família - hab mich gefreut, auch mit Samara noch zu einem richtigen Gespräch gekommen zu sein. Die kleine Samilly fehlt mir jetzt schon! Sie ist einfach zu süß, plappert fröhlich vor sich hin und schwingt die Hüften, sobald irgendwo Musik erklingt! Eine meiner Gastschwestern hat ein Video von ihr und mir tanzenderweise auf youtube.com hochgeladen, wer Lust hat, kann sich die kleine dancing queen ja mal anschauen unter "samilly e tia rune". Und dann gings am Freitag letzte Woche weiter ...........................................auf nach Argentina!

Auf der Reise wurde ich Opfer der Unzuverlässigkeit des brasilianischen Flugsystems und musste eine Nacht in einem Hotel in Sao Paulo verbringen. Aber am Samstagmittag kam ich tatsächlich in Buenos Aires an! Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl, in Lateinamerika, aber nicht mehr in Brasilien zu sein. Das äußerte sich bei mir erstmal darin, dass ich mich ganz schön unsicher gefühlt habe, das Gefühl, der Sprache noch nicht ganz mächtig zu sein, nicht genau zu wissen, was mich erwartet - das hatte ich schon lange nicht mehr. Habe dann aber gut zu Kati gefunden, meiner Freundin und Mitbewohnerin aus Passau, bei der ich gerade eine gute Woche lang wohne ----------------------

riesengroßes Wiedersehen!!! Zunächst mal mit Kati und Vicky, die vorübergehend bei ihr wohnt, abends dann noch mit allen anderen: Christine und Juanca, auch aus meiner WG in Passau, die ebenfalls gerade in Buenos Aires ein paar Monate verbringen, Bárbara, meine Freundin aus Rio, die gerade hier studiert, Nora, in Passau meine Nachbarin und Jana und Tammo aus meinem Abijahrgang - verrückte Welt! Es war total irre, dass sich diese Leute aus für mich ganz verschiedenen Kontexten auf einmal irgenwo auf der anderen Seite der Welt vermischt und zusammengefügt haben. Haben noch zusammen mit Katis hiesigen Mitbewohnis (Argentinier und ein Ami) in großer Runde hier gesessen und Quilmes, leckeres argentinisches Bier getrunken und sind später alle zusammen tanzen gegangen.

Buenos Aires - die Stadt hat mich in den ersten Tagen ziemlich erschlagen. Riesig groß und für mich Fremde erstmal ein einziges Chaos. Doch es geht immer besser und die Metropole und ich werden langsam miteinander warm. Selbst die Sonne hat sich nach mehrtätigem Streik doch entschlossen, die schönen Lüfte auch mit freundlichem Licht zu erhellen - nur mit der Hundekacke auf den Bürgersteigen kann ich mich auch nach mehrmaligem näherem Kontakt weiterhin nicht anfreunden....

Kati wohnt direkt an der Avenida 9 de Julio, der breitesten Straße der Welt! Ich hab neulich 18 Spuren gezählt, aber ich glaube, das variiert je nachdem, wo man guckt. Es ist zwar ein bisschen laut im Wohnzimmer, das zur Straße rausgeht, andererseits hat man das Gefühl, immer mittendrin zu sein im Stadtleben - das hat was! Katis WG ist sehr freakig, alle echt nett. Eine sehr familiäre Atmosphäre, immer kocht irgendjemand, man isst zusammen, fühle mich schon ganz wohl hier! Was ich immer noch gewöhnungsbedürftig finde, ist der andere Tages- (oder besser Nacht-)rhythmus - Hier beginnt morgens alles tendentiell etwas später, dafür lebt man als Argentinier weit in die Nacht hinein. Weggehen vor 2 Uhr morgens kommt eigentlich nicht in Frage...

Das Bussystem ist wahnwitzig, deshalb hat es wohl auch eine Weile gedauert, bis ich es zum ersten Mal ganz alleine mit ihm aufgenommen habe - doch es lebe der "guia t"! (der Busplan für die Tasche, der so ausgeklügelt ist, dass man meint, sich vor jedem Benutzen erneut die Bedienungsanleitung durchlesen zu müssen...). Da meine Freunde hier meist den ganzen Tag über in Praktika bzw. Uni eingebunden sind, bin ich zum Teil mit Katis Mitbewohnis, zum Teil alleine unterwegs und die Stadt erschließt sich mir immer mehr mit ihren vielen Gesichtern - das macht die Stadt sehr spannend in meinen Augen, ein ständiger Wechsel. San Telmo mit seinen alten Gassen, in denen es von Antiquitätenläden und alten Cafés wimmelt, Die 9 de julio und das Zentrum mit hochgeschossenen Gebäuden, alte und neue wild durcheinandergemischt, auf engen Straßen schiebt sich der Verkehr durch diese Gebäudegebirge, das Atmen fällt manchmal schwer und dann, in anderen Stadtteilen, öffnen sich auf einmal wieder weite Plätze oder Parks, gerade in diesen sonnigen Tagen kleinen Oasen gleich. Alles ein bisschen runtergekommen und angeranzt, doch gerade das macht den gewissen Charme aus.

Der Hafen ist auch nicht weit - dort war ich heute im Immigrationsmuseum, wo ich mir von einem extra dafür zuständigen Angestellten tatsächlich die Einreisedaten meiner Oma und meiner Urgroßeltern aus dem Jahr 1929 raussuchen lassen konnte! Sie waren, vor der Arbeitslosigkeit in Europa flüchtend, für drei Jahre nach Buenos Aires ausgewandert. Das Museum befindet sich im ehemaligen "Hotel de los inmigrantes", in dem sich bis 1950 alle ankommenden Immigranten die ersten Tage oder Wochen aufhielten. Es war schon bewegend, durch diese riesigen alten Hallen zu laufen und zu wissen, dass vor fast 80 Jahren meine Oma als kleines Mädchen durch dieselben Gänge gerannt ist...

Heute abend waren wir auf einem Tangokonzert in San Telmo: 11 gutaussehende Männer an Bandoneon und Geigen, super Musik, sehr leidenschaftlich - das war beeindruckend !! Auf dem Nachhauseweg wieder die Bestätigung einer weitverbreiteten Vermutung: vor Passauern ist man nie sicher - mitten in der Nacht liefen uns doch tatsächlich wieder zwei Kuwis über den Weg, von denen wir noch nicht wussten, dass sich auch gerade hier sind....

Am Sonntag werde ich mich wieder auf den Weg machen - Richtung Bolivien, aber mit einem Zwischenstop in Santiago del Estero, in Nordargentinien bei Nora.

Doch bis dahin noch ein paar Tage Buenos Aires........ und ein bisschen mehr Tango! (bin auf den Geschmack gekommen...)

 

4 Kommentare 21.9.07 08:40, kommentieren

gen Norden

Letzter Tag in Buenos Aires, ein letztes Mal mit Katis WG lauter suesse Leckereien vom Baecker um die Ecke fruehstuecken und mit ihnen Mate schluerfen, ein paar letzte Stunden vor dem Abschied, denn heute abend faehrt mein Bus nach Santiago del Estero -

bin gespannt auf Argentiniens Innland nach einer Woche Hauptstadt!

2 Kommentare 23.9.07 18:11, kommentieren

Fruehling in der Provinz, Abenteuer Reise und aufregend Neues

Bei Nora in Santiago del Estero war es sehr schoen! Ich bin sehr froh, diesen Zwischenstop noch gemacht zu haben, nachdem ich kurz ueberlegt hatte, von Buenos Aires nach La Paz durchzufahren - so konnte ich noch ein ganz anderes Argentinien kennenlernen als das der Hauptstadt. Mit dem Bus lange Abschnitte durch menschenleere Pampa, dann in Santiago del Estero Gemaechlichkeit: dort wird die siesta noch in Ehren gehalten (zwischen 13 und 17 Uhr bleiben die Laeden geschlossen, nur wenige verirren sich auf die Strasse), Pferdekutschen auf der Strasse sind keine Seltenheit und die Armut wohnt gleich nebenan, nicht wie in Buenos Aires weitab vom Stadtzentrum. Nora hat mir viel von der Stadt gezeigt und mich noch ueber einige argentinische Eigenheiten aufgeklaert. Wenn man es sich mit einem Argentinier nicht verderben will, sollte man ihn besser nicht mit kritischem Unterton auf Evita Perón oder den verlorenen Krieg um die Malvinas (Falklandinseln) ansprechen... Und in den Koepfen der Argentinier teilt sich ihr Land in Buenos Aires und den Rest des Landes auf. In Santiago ist Tango verpoent, Folklore ist alles. Mit Nora war ich bei einem Folklore-Tanzkurs, das war sehr interessant!

Sehr frueh am Mittwochmorgen hab ich meine Reise fortgesetzt. Zunaechst mit dem Bus nach La Quiaca, einer Grenzstadt, dort wollte ich ueber die Grenze und in Villazon, der sich nahtlos anschliessenden bolivianischen Stadt einen Zug nehmen - da der nur einmal am Tag faehrt, hab ich mir nicht allzu grosse Hoffnungen gemacht. Die letzten Stunden bis La Quiaca waren wahnsinnig schoen - sehr abwechslungsreiche Landschaft, mal schroff zerklueftete rote Felsen, mal mit gelb verblichenem Gras bewachsene endlose Berglandschaft, dann Felsen, deren Farben zwischen tuerkis und feuerrot variierten, hab mich ein bisschen an Island erinnert gefuehlt... Und viele ausgetrocknete Flusslaeufe, zunehmend loesten Lamas und Alpacas die Rinderherden ab.

Ab Oruro hatte ich dann mit der Hoehe und der duennen Luft zu kaempfen: drueckende Kopfschmerzen, trockene Lippen, Nase und Haut im Allgemeinen, Unwohlfuehlen. Der Bolivianer an sich empfiehlt Kokatee, hat auch schon geholfen :-)

Wie ein Wunder hatte der Bus nur leichte Verspaetung, sodass ich problemlos den Zug nach Oruro (Bolivien) gekriegt habe. An der Grenze hab ich Alex und Daniel, ein Deutscher und ein Bolivianer, kennengelernt, wir sind dann zusammen weitergereist, was sehr nett war und die lange Zugfahrt sehr viel kurzweiliger gemacht hat! 16 Stunden sassen wir in dem Bummelzug, mir hat die Reise sehr gut gefallen - angenehmer als so lange im Bus zu sitzen und schoener vom Ausblick her. Besonders schoen war es, als nachts die Lichter im Zug ausgeschaltet wurden, sodass ich bei hellstem Mondschein hinaus in Berge und zunehmend wuestenaehnlichere Landschaft schauen konnte, bis der Zug mich in den Schlaf schaukelte...

Morgens umsteigen in Oruro, wir haben einen Bus gekriegt, der sofort nach La Paz losfuhr. Fahrt durch absolute Einoede - Altiplano, Boliviens Hochebene im Nordwesten. Immer mal wieder Lehmhaeuser und Indigene in ihren traditionellen Trachten, Alpaca-Herden, ab und zu eine kleine Ortschaft - alles extrem spartanisch, die wenigsten Haeuser sind aus richtigen Ziegelsteinen gebaut, geschweigedenn verputzt. Die kalten Naechte spuert man sicherlich, als wenn keine Wand vorhanden waere...

Nach knapp drei Stunden fuhr der Bus in El Alto ein, eine Stadt, die fast nahtlos in La Paz uebergeht. Wie der Name schon sagt, liegt sie hoeher als La Paz, man faehrt dann noch ca 350 m tiefer und hat dabei einen Wahnsinnsblick auf die ganze Stadt! La Paz liegt in einem Tal, zieht sich aber auf allen Seiten die Berge hinauf.

Und hier wohne ich jetzt! Netterweise wurde ich von Adela abeholt, eine Bolivianerin Ende 40, bei der ich ein Zimmer gemietet habe. Wir wohnen dort zu viert: Adela, Lorena (ihre 29-Jaehrige Tochter) und Alejandra, auch eine Bolivianerin, die in La Paz arbeitet. Adela hab ich noch nicht kennegelernt, aber die anderen beiden sind schon mal super nett! Die Wohnung liegt in Sopocachi, einem Viertel im Zentrum, in dem auch die meisten Bars und Discos sind, nur wenige Bloecke von der gtz enfernt, also optimal gelegen! Ausserdem im 18. Stock, mein Zimmer ist ausreichend gross, davor eine Fensterfront und ein Balkon mit unglaublichem Blick ueber weite Teile der Stadt - es ist Wahnsinn, mit soviel Komfort haette ich fuer die geringe Miete nicht gerechnet...

Bin heute schon ein bisschen durchs Zentrum gelaufen und hab das Gefuehl, dass ich mich hier wohlfuehlen kann!

Jetzt muss ich schnell los, treff mich mit Alex und Daniel, um das Nachtleben unsicher zu machen!

Bald mehr von mir aus diesem faszinierenden Land!

1 Kommentar 28.9.07 03:58, kommentieren