über Peru nach México

Am 15. Februar brach ich also in La Paz Richtung Lima auf. Vor mir lagen 30 Stunden Busfahrt (angekündigt waren 26, aber auf Zeitangaben ist hier keinerlei Verlass, das ist ja schon bekannt...), während denen ich aber glücklicherweise eine vertraute Person an meiner Seite hatte: Marta (die Mutter von Ronald, einem Freund aus Passau) fuhr zu ihrer Familie nach Lima und ich hatte ihr ein Ticket für den Platz neben mir besorgt - wer schon mal so eine lange Strecke im Bus gefahren ist, weiss, dass es Gold wert ist, nicht neben einer wildfremden Person zu sitzen...

In Lima konnte ich bei der Familie eines Hospitalityclub-Mitglieds wohnen - alle ausgesprochen nett und gastfreundlich (eingeschlossen die 99-jährige Urgrossmutter)! Joel und sein Cousin zeigten mir und einem ecuadorianisch-neuseeländischem Pärchen, mit dem ich das Zimmer teilte, weite Teile der historischen Innenstadt. Lima zeigte sich mir von einer netten und interessanten Seite, zwei Tage waren aber natürlich nicht viel Zeit, um die Stadt gut kennenzulernen. Mir gefiel es, in einer eher einfachen Familie und dadurch in einem Stadtteil zu wohnen, den Touris normalerweise nicht zu Gesicht bekommen - so offenbarte sich Lima mir von einer sehr peruanischen Seite.

Am 19. Februar flog ich nachts gen Mexico City. Den Hinweis, man solle schon drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein, hielt ich arroganterweise für übertrieben - und verpasste daraufhin fast meinen Flug... Erst eine halbe Ewigkeit nach dem "last call" erreicht ich ausser Atem in letzter Sekunde das Flugzeug - erleichtert wie selten in meinem Leben...

Im Morgengrauen erreichten wir México - zum ersten Mal in diesem Land und zum allerersten Mal in einer so riesigen Stadt! Ich flüchtete aber zunächst vor den 20 Millionen Einwohnern und fuhr direkt nach Cholula, einem Vorort von Puebla, in dem Mucka (gute Freundin von mir aus Wildeshausen) im Moment wohnt.
Insgesamt verbrachte ich eine Woche bei Mucka. Es war sehr wichtig für mich, bei ihr so "stranden" zu können - nach dem schweren Abschied von La Paz brauchte ich viel Zeit, um ganz langsam in México anzukommen und den Wechsel in diese andere Welt zu begreifen. Dabei tat es mir sehr gut, bei einer lieben und vertrauten Freundin zu sein. Ausserdem hatten wir uns seit neun Monaten nicht gesehen und es gab viel zu erzählen...

Cholula bescherte mir als erste Station in México und nach dem unmittelbaren Wechsel dorthin nach Bolivien/Peru (die zwei Länder sind sich schon sehr ähnlich) fast einen Kulturschock. Dazu muss erklärt werden, dass Mucka direkt hinter einer der teuersten Privatuniversitäten Méxicos wohnt und dort natürlich dementsprechend die Töchter und Söhne Méxicos reichster Familien wohnen und studieren - das gab auf der Partymeile in unmittelbarer Nähe ein Bild ab, das mir nach dem langen Aufenthalt in Bolivien das Gefühl gab, in einem amerikanischen College-Film gelandet zu sein.

Aber ich verbrachte sehr schöne Abende mit Mucka, lernte ein paar sehr nette Freunde von ihr kennen, konnte ihren Geburtstag mit ihr feiern, mir die in Cholula situierte, vom Umfang her grösste Pyramide der Welt anschauen, im hübschen historischen Zentrum des kleinen Ortes die Seele baumeln lassen - und mir gleich ein mexikanisches Stereotyp bestätigen lassen: hier wird alles, aber wirklich ALLES mit Chilli gegessen! Auf den Strassen gibt es an fahrbaren Ständen Mango mit Chilli, Limette und Salz und überall bekommt man Lutscher mit Geschmäckern wie Kirsche und Chilli, Wassermelone und Chilli, an denen ich mir den Mund verbrannte... Kurz und gut: die spinnen, die Mexikaner!

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auf den Spuren prähispanischer Kulturen

Nachdem ich eine gute Woche bei Mucka verbracht hatte, ging meine Reise weiter. Im Januar hatte ich an der bolivianisch-peruanischen Grenze Sandra kennengelernt. Sandra ist Mexikanerin, lebt aber in Schottland. Als wir in einem Gespräch feststellten, dass wir zur selben Zeit in México sein würden - sie zu Besuch bei ihrer Familie, ich reisend unterwegs - lud sie mich sofort ein, sie dort zu besuchen. Wir blieben in Kontakt und mein Ziel hiess deshalb am 28.02. Villahermosa im Staat Tabasco (ja, ich dachte auch immer, dass sei nur der Name einer scharfen Sosse...) - wo Sandra mich vom Busbahnhof abholte und ich daraufhin im Haus ihrer Familie königlich beherbergt wurde. Wieder ein tolles Erlebnis, wie offen und gastfreundlich Menschen sein können! (und das in Lateinamerika definitiv häufiger als in Deutschland...) Villahermosa ist nicht wirklich der Rede wert - die Stadt besticht nicht gerade mit Schönheit. Sehr interessant war aber der Besuch eines grossen Museumsparks, in dem Skulpturen auf dschungelartigem Gelände ausgestellt sind - Skulpturen, die von der ältesten zentralamerikanischen Kultur, den Olmeken, geschaffen wurden und zum grossen Teil noch erstaunlich gut erhalten sind. Sandra und ich beschlossen, übers Wochenende zusammen eine Tour nach Chiapas, dem südlichsten Staat Méxicos zu machen und uns dort vor allem alte Mayaruinen anzuschauen. Freitagmorgen fuhren wir aber zunächst zu wunderschönen Wasserfällen ("Agua azul") in der Nähe von Palenque. In Palenque übernachteten wir und machten uns am Samstag schon früh auf den Weg zur gleichnamigen archäologischen Stätte. Chiapas war zur klassischen Mayazeit stark von Mayas besiedelt, wobei Palenque das damalige Machtzentrum bildete. Demensprechend beeindruckend waren die Ruinen - besonders durch ihre Größe. Trotzdem war ich ein bisschen enttäuscht: man hatte mir von der beeindruckenden Harmonie der Ruinen direkt im Dschungel erzählt - stattdessen traf ich ein touristenüberlaufenes, parkähnlich angelegtes Gelände an, das mich an Disneyland denken ließ - fehlten nur noch ein paar als Maya verkleidete Statisten... Aber was ich in Palenque vermisste, fand ich in unserem nächsten Reiseziel: Yaxchilán! Diese Ruinen liegen am Grenzfluss zu Guatemala und sind nicht ganz einfach zugänglich. Zunächst fuhren wir in einem VW-Bus stundenlang durch die schöne tropische Landschaft des ländlichen Chiapas - die Fahrt wurde erschwert durch die unzähligen "topes" - plötzlich (da beinahe immer unangekündigt) auftauchende Erhebungen in der Straße, die von der indigenen Bevölkerung willkürlich überall dort über Nacht errichtet werden, wo sie denken, dass langsamer gefahren werden sollte. Auffällig auch Schilder, die manche Ortseingänge zieren: "Zapatisten-Gebiet" o.ä. Ein Konflikt, der noch nicht lange her ist bzw. immer noch schwelt. Sonntag gingen wir sehr früh zum Grenzfluss hinunter und legten wenig später mit einer Gruppe deutscher Studenten in einem Holzkahn ab - Yaxchilán ist nur über Wasser zu erreichen. Etwa 40 Minuten dauerte die Fahrt, bevor wir die wirklich beeindruckenden Ruinen erreichten - beeindruckend nicht durch ihre Größe, aber durch das Gefühl das sie vermitteln, noch weitgehend unberührt zu sein: teilweise von Bäumen überwachsen, unüberhörbar das nicht abreißende Geschrei der Brüllaffen aus dem Dschungel, der neben und über einem in riesigen Dimensionen wächst. Zu einem Gebäudekomplex legten wir einen ca. halbstündigen Marsch auf einem schmalen Urwaldweg zurück und dabei konnten wir die Affen sogar in den Baumwipfeln neben uns von Ast zu Ast schwingen sehen! Yaxchilán begeisterte mich wirklich sehr! Am Abend kehrten Sandra und ich nach Villahermosa zurück und ich packte ein weiteres Mal meinen Rucksack, um am nächsten Morgen die Reise fortzusetzen - zum ersten Mal wirklich alleine unterwegs.

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San Cristóbal de las Casas

Ich blieb Chiapas treu und fuhr mit dem Bus nach San Cristóbal de las Casas, einer netten Kleinstadt, die als kulturelles Zentrum des Staats gilt. Ich kam über den Hospitalityclub in einer chaotischen, aber sehr netten 4er-WG unter, bestehend aus einem Kanadier, einer Kubanerin und zwei Mexikanern. Dennoch habe ich überwiegend nicht besonders gute Erinnerungen an San Cristóbal. Zum einen, weil die Stadt mit ihren engen Gassen und den unverhältnismäßig vielen Touristen darin mich einengte, zum anderen, weil ich eigentlich die ganze Zeit krank war. Demensprechend fehlten mir Lust und Energie, wirklich etwas aus meinem Aufenthalt dort zu machen. Meine Stimmung änderte sich aber schlagartig, als ich am Freitag über Nacht in die Hauptstadt fuhr.

26.3.08 06:54, kommentieren

fette Wochen in La Paz

Die drei Wochen, die ich nach der Reise mit Simon nochmal in La Paz verbrachte, waren so reich an Festen und kulturellen Ereignissen, wie die ganzen Monate davor nicht. Am Tag, an dem ich meine Studie praesentierte, wurde die "feria de alasitas" eroeffnet - ein Markt, auf dem ALLES in Miniatur verkauft wird! Man kauft sich die Dinge, von denen man sich wuenscht, dass sie im Laufe des noch jungen Jahres Wirklichkeit werden bzw. beschenkt Verwandte und Bekannte mit entsprechenden Gegenstaenden - dabei muss man allerdings aufpassen, denn manche Dinge realisieren sich nur, wenn man sie geschenkt bekommt, andere nur, wenn man sie sich selbst kauft... Zu erstehen gibt es alles moegliche, von Haeusern ueber Autos, Kreditkarten, Reisepaesse, Flugtickets, Essen bis zu Universitaetsabschluessen und aehnlichen Zertifikaten - ich habe mir natuerlich sofort ein Wirtschafts- und Spanischdiplom ausstellen lassen! Ganz wichtig sind auch Haehne bzw. Hennen aus Ton, die sollen einen zum perfekten Partner verhelfen... Das gekaufte Zeug wird daraufhin in eine Plastiktuete gesteckt und zu einer der cholitas (indigenen Frauen) gebracht, die irgendwo sitzen und die Dinge mit Formeln beschwoerend, Bluetenblaetter streuend, Alkohol versprenkelnd und rauchenden Weihrauch schwingend segnen, sonst erfuellen sich die Dinge nicht! Fuer mich eine schoene Tradition, die Dinge, die man sich fuer das Jahr vornimmt, auf diese Weise zu verbildlichen. Am folgenden Wochenende waren grosse Familienfeste angesagt - und ich war nochmal gluecklicher, mit Adela und Lore zusammenzuwohnen und dadurch auch an solchen Festen teilhaben zu koennen. Samstag wurde der erste Geburtstag von Marianita gefeiert, Adelas erster und bisher einziger Enkelin. Dazu muss erwaehnt werden, dass die wichtigsten Geburtstage im Leben eines Lateinamerikaners der erste und der fuenfzehnte sind - dementsprechend gross war auch die Feier. Gleich am Tag darauf wurde die Kleine auch noch getauft und ich konnte zum ersten Mal einer Taufe beiwohnen. Natuerlich wurde auch reichlich und lecker gespiesen diese Tage...

12.3.08 19:55, kommentieren

Karneval in Oruro

Am ersten Februarwochenende war schon Karneval! Wie angekuendigt, fuhr ich mit ein paar anderen Freunden nach Oruro - eine kleine Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern, ebenfalls im Altiplano, nur drei Busstunden von La Paz entfernt. Zu Karneval reisen allerdings etwa 40.000 (!) Taenzer an, sowie an die 100.000 Besucher - viele Bolivianer aus anderen Regionen, aber auch auslaendische Touristen. Vor allem seitdem der Karneval in Oruro Mitte der 90er Jahre zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde, ist die Anzahl der Besucher stark angestiegen. Demenstsprechend sind Schlafplaetze knapp in diesen Tagen - ich hatte zum Glueck kein Unterkunftsproblem, weil ich bei Robertos Familie schlafen konnte, wo wir uns allerdings auch stapelten: zu sechst in einem 12 qm Raum... Aber wenn man feiert, ist einem sowas ja ziemlich egal! Ausserdem kam ich auf diese Weise vermutlich mal der alltaeglichen Realitaet der meisten Bolivianer etwas naeher, wohnen ja nicht alle in eigenem Zimmer im 18. Stock mit Panoramablick... Der Karneval hat mich schwer beeindruckt. Samstag frueh um 10 beginnt der Umzug mit einer unglaublichen Vielfalt an traditionellen Taenzen aus allen Regionen des Landes - die Taenzer tragen farbenfrohe Kostueme und teilweise irre, grosse Masken. Das Ganze hoert erst morgens gegen 3 Uhr auf, um dann am Sonntag gleich um 10 Uhr von Vorne zu beginnen. Der Unterschied ist, dass am Samstag die Taenzer ernsthafter bei der Sache sind, sich mehr ins Zeug legen, es herrscht fuer sie auch Alkoholverbot - denn Beweggrund der Teilnahme am Umzug ist fuer die meisten die Religion und samstags wird bis zur Kirche der "Jungfrau des Stollens" (Oruro ist eine Minenstadt) getanzt - ca. 7 unheimlich anstrengende km, an dessen Ende die Kirche steht. Vor ihr fallen alle Taenzer und Musiker auf die Knie und bewegen sich kniend bis vor den Altar, wobei fast alle in Traenen ausbrechen - wohl vor dem Hintergrund ihres tiefen Glaubens aus Ruehrung, wenn sie das Bild der Jungfrau sehen. Als Taenzer macht man eine "promesa", das heisst, man bittet die Jungfrau um etwas (z.B. die Genesung eines kranken Familienmitglieds) und verspricht ihr dann, drei Jahre hintereinander beim Karneval fuer sie zu tanzen. Die Leute sind fest davon ueberzeugt, dass das tatsaechlich funktioniert und nennen dir aus dem Stehgreif zig Erfolgsbeispiele aus eigener Erfahrung oder aus dem Freundes- und Familienkreis. Neben dem Wahnsinns Tanz- und Musikspektakel haben die Zuschauer ihren Spass bei einer regelrechten Wasserschlacht mit Wasserbomben, die auf den Strassen und insbesondere zwischen den sich gegenueberliegenden Tribuenen ausbricht und gar nicht wieder abreisst - deshalb werden auch ueberall Regenumhaenge verkauft... Hilft aber auch nicht immer! Solange die Sonne noch da war, war das ein Heidenspass! Und als die Sonne weg war, waren wir eh schon so betrunken, dass wir bald nach Hause gingen... Mein neuester Tanztraum ist jetzt, einmal selbst beim Karneval in Oruro mitzutanzen - vielleicht gehts ja auch ohne "promesa" ;-) (leider sind jetzt keine Fotos vom Karneval dabei, weil ich die bei Mucka deponiert habe, kommen aber noch nach!) Auch der Karnevalsdienstag ist ein wichtiger Tag in Bolivien. Er dient dazu, all die grossen Dinge zu "segnen", die einem wichtig sind und von denen oder fuer die man sich nur das Beste wuenscht im angebrochenen Jahr - das Haus, das Auto, das Geschaeft. Dazu versammelt man sich am Ort des Geschehens mit Familie und Freunden, schmueckt alles mit Luftschlangen und Luftballons und verstreut reichlich Bluetenblaetter. Daraufhin muss jeder Anwesende in alle vier Ecken des Gebaeudes oder Gefaehrts ein bisschen Alkohol schuetten - fuer die "Pachamama", die Mutter Erde, die in Bolivien sehr verehrt wird. Man zuendet Boeller, um boese Geister von dem Ort fernzuhalten. Und es wird natuerlich getrunken - aber auch hier gilt: der erste Schluck gehoert der Pachamama. Adela und Lore nahmen Inka (meine neue Mitbewohnerin seit Anfang Januar, studiert auch in Passau) und mich mit zur "ch´alla" (so nennt man das ganze) im Geschaeft von Lores Tante. Vor Wasser ist man uebrigens waehrend der gesamten Karnevalszeit nicht sicher - will man nicht nass werden, sollte man keinen Schritt vors Haus wagen...

12.3.08 19:53, kommentieren

Abschied von Bolivien

Nach Karneval blieb mir kaum laenger als eine Woche in La Paz... Das folgende Wochenende sollte schon mein letztes sein, da ich mir ein Busticket nach Lima fuer den darauffolgenden Freitag, 15.02. gekauft hatte. Da meine Freunde alle studieren oder arbeiten, lud ich sie schon am Samstag zu mir ein, damit wir danach noch weggehen konnten. Zum beinahe ersten Mal in meiner Bolivienzeit stellte ich mich in die Kueche und zauberte zur Feier des Tages ein 3-Gaenge-Menue - sollten sie mal sehen, dass ich nicht nur tanzen, sondern auch kochen kann Der Abend war total schoen, wenn auch ein bisschen sentimental... Das war der Auftakt zu einer ganzen Woche Abschied: am Sonntag tanzte ich zum letzten Mal mit der Salsagruppe, in der wir von Roberto seit Ende November zwei Mal die Woche in "rueda de casino" trainiert wurden. Das ist Salsa, aber mit mehreren Paaren im Kreis getanzt, wobei einer ansagt, welche Figuren getanzt werden (alle dann synchron) und es haeufige Partnerwechsel gibt. Mir hatten diese Treffen sehr viel Spass gemacht und ich habe wahnsinnig viel dabei gelernt. Am Montag verbrachte ich noch einen letzten Tag im GTZ-Buero, um letzte Schliffe an meiner Studie vorzunehmen. Nach einem insgesamt sehr positiven Feedbackgespraech mit meinem Chef, ueberraschte er mich mit einem Abschied, zu dem alle Kollegen sich bei Sekt, Wein und Haeppchen versammelten, um mich zu verabschieden - das kam total ueberraschend und war deshalb umso netter. Am Abend dann ein letztes Mal tanzen im "Sol y Luna" zu den Klaengen meiner Lieblings-Salsaband in La Paz - auf den Abend hatte ich mich immer schon die ganze Woche gefreut... Dienstag ein letzter Salsaabend im "Mongo´s" und Mittwochabend eine letzte regulaere Tanzstunde in meiner Tanzschule... Donnerstag (14.02.) war dann wirklich mein allerletzter Abend - und wie jeden Donnerstag gingen wir zum tanzen mit Livemusik ins "A lo Cubano", wo ich fuer diesen Abend aber einen grossen Tisch reserviert hatte. Der fuellte sich auch schnell und es wurde ein wirklich schoener Abend, an dem ich die meisten meiner Freunde nochmal sehen und mit vielen noch ein letztes Mal tanzen konnte. Wir blieben, bis wir rausgeschmissen wurden. Freitag hatte ich natuerlich doch noch Packstress, wie das immer so ist, auf den letzten Druecker... Morgens hatte ich mich schon traenenreich von Lore verabschiedet, die mittags nie von der Arbeit heimkommt. Adela, Lore und zwei gute Freunde von mir, Roberto und Clarita, kamen zum Mittagessen. Danach brachten die vier mich zum Busbahnhof, was an sich sehr schoen war - der Abschied war trotzdem schrecklich... Die Zeit in Bolivien war fuer mich wahnsinnig intensiv, wichtig und praegend und es fiel mir wirklich sehr, sehr schwer, die Stadt, meine Freunde und mein neues Leben dort hinter mir zu lassen. Aber wie sagte schon Hesse - Nun an denn, Herz, nimm Abschied und gesunde! Das, mein lieber Hermann, ist allerdings leichter gesagt, als getan...

1 Kommentar 12.3.08 19:50, kommentieren

viel Wüste in Bolivien, Chile und Peru

Auf der Fahrt von Potosí nach Uyuni bekamen wir an der eigenen Haut – aber in noch erträglichem Ausmass – zu spüren, worunter seit ein paar Wochen ganz Bolivien leidet: das Naturphänomen „La niña“, ein – dem bekannteren „El niño“ ähnlich – alle paar Jahre auftretendes Wetterextrem, das gerade dafür sorgt, dass Bolivien in nicht endenwollenden Regengüssen versinkt – viele Regionen befinden sich im Ausnahmezustand. In La Paz ist in fast der ganzen Stadt das Wassersystem zusammengebrochen (mit Ausnahme von dem Viertel, in dem ich wohne...), Hunderttausende müssen tagelang ohne fliessendes Wasser auskommen. Noch schlimmer ist es in den tropischen Gebieten, dort stehen ganze Dörfer und Stadtteile komplett unter Wasser, aber auch in Vierteln von La Paz reissen Flüsse urplötzlich Brücken weg und Menschen mit in den Tod. Insgesamt wurden im Januar aufgrund des extremen Wetters schon über 50 Tote im Land registriert, in den am schwersten betroffenen Gebieten breiten sich Denguefieber und Malaria aus. Ich nehme an, deutsche Medien berichten darüber nicht...
 
 
Aber zurück zu unserem diesbezüglichen Erlebnis auf der Reise.
Die Fahrt führte uns auf einer Schotterpiste mal wieder völlig durch die Wallachei, diesmal durch verlassene, weite Landschaften – auf einmal Wasser links und rechts vom Bus und nichts ging mehr, weil der Fluss sich ums vermutlich dreifache seiner normalen Breite ausgedehnt hatte und die „Strasse“ vollständig überspülte. Das andere Ende der Strasse war jenseits des Wassers dadurch erkenntlich, dass dort ein Lkw stand, der ebenfalls darauf wartete, dass der Pegel wieder sinken würde. Das dann doch erstaunlich schnell – nach etwa einer Stunde konnten wir beobachten, wie eine Herde Lamas todesmutig zum anderen Ufer watete. Daraufhin beschloss unser Fahrer, es auch mit dem Bus zu wagen – allerdings ohne uns: wir durften es den Lamas gleich tun und ab durchs eiskalte braune Nass...
Eine halbe Stunde lang ging alles gut, dann stand der Bus wieder. Diesmal war es angebrachter von reissenden Fluten zu sprechen. Wir warteten geschlagene zwei Stunden, bis wir den Fluss endlich überqueren konnten und kamen schliesslich zu später Stunde (wider Erwarten) doch noch am selben Tag in Uyuni an.
 
 
Von dort brachen wir am nächsten Morgen in einem Jeep zu einer dreitägigen Tour auf, deren Anfang der „Salar de Uyuni“ (die grösste Salzwüste der Welt) sein sollte, dann durch den einsamen Südwesten des Landes führte und schliesslich in Chile ihr Ende fand. Mit von der Partie waren Simons Mitbewohnerinnen aus Arequipa (Peru), wo er ein Semester studiert hatte und deren Freundinnen – insgesamt 7 Touris plus Fahrer/Guide und Koch.
 
Der erste Tag begann mit dem grössten Highlight: dem „Salar“ – die Salzwüste ist jetzt im „Sommer“ (gleichzusetzen mit Regenzeit) mit 2-3 cm Wasser bedeckt. In Verbindung mit der sich darunter befindenden schneeweissen Salzschicht führt das zu einem irren Spiegeleffekt, durch den es schwerfällt, Himmel von Salz zu unterscheiden und irgendwie hat man das Gefühl, in den Wolken zu stehen – eine mit nichts vergleichbare, irre Erfahrung! Wir waren schwer begeistert. Durch die Fotos kann man hoffentlich einen kleinen Eindruck bekommen!
 
Nachmittags besuchten wir noch Boliviens Eisenbahnfriedhof. Da werden vor Uyuni einfach alle ausrangierten Eisenbahnen abgestellt, um in der Weite des Altiplanos (Boliviens Hochebene) würdevoll zu verrosten. Ein beeindruckendes Bild.
 
Ein paar Stunden später trudelten wir in einem gottverlassenen Ort (gefühlt: am Ende der Welt) ein, in dem wir in einer simplen Unterkunft übernachteten. Es war ganz nett, dass man abends immer wieder dieselben Leute traf, die in irgendeinem der etwa 15 anderen Jeeps dieselbe Tour machten. Da in Brasilien fast alle Leute zwischen Weihnachten und Karneval Urlaub haben, waren auch einige Brasis dabei und ich konnte mal wieder mein Portugiesisch auffrischen und neue Brasil-kontakte knüpfen :-)
Ein paar Iren trieben in dem einzigen auffindbaren Geschäft sofort Unmengen billigen Rums auf. Der Laden nannte sich „Apotheke“. Auch lustig. Für die Iren war der Abend damit jedenfalls gerettet :-)
 
 
Am nächsten Morgen früh los: auf Sand- und Schotterpisten (teilweise noch alte Wege der Inka) durch die Steinwüste, die Boliviens Südwesten prägt. Beeindruckende Landschaft, ab und zu ein paar wildlebende „vicuñas“ (lama-ähnliche Tiere), immer wieder ausgefallen schöne Berge, die aus der Ebene emporragen, sonst nichts – diese  Leere hat mich sehr berührt. Wahnsinn, wenn man vorher noch nie in irgendeiner Wüste war! Besonders toll waren ein paar Lagunen, die plötzlich im Nichts auftauchten und bevölkert wurden von rosafarbenen Flamingoscharen, sowie irre Steinformationen, von denen der „Baum aus Stein“ besonders eindrucksvoll war (s. Fotos). Laut unserem Guide sehen die Steine noch damals von der Sinftflut, als nur die Arche Noah davonkam, so rundgewaschen aus...
 
 
Der Ort, an dem wir dieses Mal übernachteten, kam dem Ende der Welt noch ein bisschen näher. Auf über 4.000 Metern freuten wir uns über den aus einer Blechtonne selbstgebastelten Ofen in der Herberge, der die nächtliche Kälte etwas linderte.
 
 
Am dritten und letzten Tag stiegen wir um 4 Uhr morgens (!) noch im Dunkeln in den Jeep. Das frühe Aufstehen wurde reichlich belohnt, als sich uns bei Temperaturen um den Nullpunkt auf knapp 4.900 Metern der Blick auf kochende Schlammlöcher freigab, die sich zunächst durch weiss aufsteigenden Dampf vorm rot gefärbten Himmel ankündigten.
Und es sollte noch besser kommen: Nach einer weiteren Stunde Fahrt gelangten wir kurz nach Sonnenaufgang zu heissen Thermen – wir legten also Winterjacken und Alpaca-mützen ab, rein in Bikini und Badehose und aalten uns ausgiebig im Wasser mit Badewannentemperatur, dazu der Blick auf einen spiegelglatten See und eine Handvoll Flamingos...
 
 
Irgendwann gelangten wir mitten im Nichts zur bolivianisch-chilenischen Grenze. Simons und mein Ziel war, so schnell wie möglich nach Arequipa in Peru zu kommen.  Wir bissen im teuren Chile (Bolivien ist das billigste Land Lateinamerikas, daran kann man sich schnell gewöhnen...) also in den sauren Apfel und kauften teure Tickets für eine Direktfahrt zur peruanischen Grenze im Norden Chiles.
Die Fahrt führte zum grossen Teil durch die „Atacama“, die trockenste Wüste der Welt (echt, trockener als die Sahara!) – mehr als eintönig, aber aus eben diesem Grund auch wieder eindrücklich.
 
 
Am 17.01. kamen wir in Arequipa an – da ich am 21.01. wieder in La Paz sein wollte, blieben mir also vier Tage, um „Simons“ Stadt kennenzulernen. Leider konnte ich die Zeit teilweise gar nicht geniessen, da mich üble Magenprobleme vorübergehend vollkommen ausser Gefecht setzten... Trotzdem war es schön, die Stadt (geprägt von weissen Kolonialbauten und niedlichen Strässchen) und Simons Freunde dort zumindest ein bisschen kennenzulernen.
Ausserdem mal wieder ein kurioses Zusammentreffen in Uebersee: Christine, mit der ich in Wildeshausen jahrelang in einer Klasse war, macht gerade einen Freiwilligendienst in Arequipa – und wieder mal feststellen, wie klein die Welt sein kann...
 
 
Nach Abschied von Simon und nochmal 14 Stunden Busfahrt kam ich am 21.01. wieder zurück in mein geliebtes La Paz – nach den vielen Eindrücken der vergangenen 2 ½ Wochen glücklich wieder in gewohntem Umfeld zu sein, mich Zuhause zu fühlen und noch am selben Abend wieder mit meinen Leuten in unserer Montagabends-Salsa-Bar tanzen zu gehen...
 
 
 

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